Name: Sinapis alba – Gelbsenf, Weißer Senf (dieselbe Art, zwei Namen)
Familie: Kreuzblütler – eng verwandt mit Kohl, Radieschen, Rettich, Kresse, Rauke und Raps
Wuchs: einjährig, schnellwüchsig, je nach Standort ca. 30–60 cm, teils bis ca. 1 m; Pfahlwurzel
Blüte: leuchtend gelb, größer und nektarreicher als bei anderen Senfarten
Winterhärte: nicht winterfest, friert mit dem ersten Frost ab
Andere Senfarten: Schwarzer Senf (Brassica nigra) wächst höher, ist weniger kältetolerant und für die Gründüngung weniger geeignet; Brauner Senf (Sareptasenf, B. juncea) wächst langsamer und bildet weniger Biomasse
Standort & Boden
Sonne bis Halbschatten
Geht relativ sicher auf, auch im groben Saatbett; keimt auch bei niedrigen Temperaturen schnell
Aussaat
Zeitfenster: ab April, als Gründüngung nach abgeräumten Kulturen bis Mitte September (Händlerangabe April–September); in milden Lagen wird teils noch Anfang Oktober gesät, dann bildet er nur noch Blattmasse bis zum Frost und blüht nicht mehr
Saatmenge: ca. 5 g/m², breitwürfig, leicht einharken (Saattiefe 1–2 cm)
Keimung: innerhalb von 1–2 Wochen, bis zum Aufgang gleichmäßig feucht halten
Kulturdauer: ca. 2–3 Monate; in wenigen Wochen (ca. 3–5) bildet er genug Blattmasse, um den Boden zu beschatten
Wirkung
Unterdrückt Unkraut durch schnelle, dichte Bodenbedeckung
Pfahlwurzel lockert den Boden, große Wurzelmasse
Nimmt Stickstoff im Boden rasch auf und hält ihn im Pflanzenmaterial (Nährstoffkonservierung, vor allem im Herbst); kein Stickstoffsammler
Senföle beeinflussen das Bakterien- und Pilzleben im Boden
Nematoden: dient als Fangpflanze bzw. wirkt gegen Nematoden, vor allem bei Rüben- und Gänsefußgewächsen (Rote Bete, Spinat, Mangold); die Wirkung entfaltet sich erst bei der Einarbeitung. Bei Zystennematoden gilt Ölrettich als besonders wirksam, bei Rüben werden resistente Sorten genutzt
Biofumigation: Kurz vor der Blüte häckseln, sofort einarbeiten, walzen und wässern, damit die Senföle freigesetzt werden. Die Wirkung ist zeitlich begrenzt und selektiv und kann auch nützliche Bodenorganismen beeinträchtigen, deshalb nur gezielt einsetzen (z. B. bei bekanntem Kohlhernie-Problem)
Blüten liefern viel Pollen und Nektar für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Nützlinge
Fruchtfolge
Nicht vor oder nach anderen Kreuzblütlern: Weißkohl, Blumenkohl, Brokkoli, Rosenkohl, Rotkohl, Romanesco, Radieschen, Rettich, Kresse, Rauke, Raps
Kohlhernie: bodenbürtiger Pilz, der alle Kreuzblütler befällt; die Sporen sind extrem langlebig. Anbaupause zu Kohl mindestens 3–4 Jahre, bei früherem Befall länger
Unproblematisch für Nachfolger aus anderen Familien; ein Ratgeber rät allerdings generell davon ab, Gelbsenf im Gemüsebeet einzusetzen
Geeignet als Pionierpflanze auf neuen Flächen, z. B. vor einer Neuanlage von Beeten oder Stauden
Einarbeitung & Abfrieren
Vor der Blüte abhacken (als Mulch) oder einarbeiten; eine Quelle sieht den Zeitpunkt kurz nach Blühbeginn noch als optimal, weil er sich noch nicht ausgesamt hat
Spätestens vor der Samenreife, sonst Selbstaussaat
Alternativ mit dem ersten Frost abfrieren lassen und als Mulchschicht über Winter liegen lassen, im Frühjahr ins Saatbeet einarbeiten
Hinweise / Notizen
Kohl im Garten beachten: Gelbsenf nur auf Beeten, auf denen in den nächsten 3–4 Jahren keine Kreuzblütler (Kohl, Romanesco, Rettich, Radieschen usw.) stehen sollen.
Eine Quelle (samen.de) schreibt Gelbsenf eine Stickstoffbindung zu. Das ist fachlich nicht plausibel (Kreuzblütler bilden keine Knöllchenbakterien) und widerspricht anderen Quellen (BayWa: rasche N-Aufnahme); hier nicht übernommen.
Stand 20.09.2026: Das Aussaatfenster bis Mitte September ist vorbei; späte Saat im Oktober ist nur in milden Lagen sinnvoll und bringt nur noch Blattmasse.