Schädlinge & Krankheiten
Erkennung und Behandlung von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten im Garten
Braunfäule (Tomaten)
Kraut- und Braunfäule an Tomaten, verursacht durch den Eipilz Phytophthora infestans. Eine der gefürchtetsten Tomatenkrankheiten – kann bei feucht-kühler Witterung eine ganze Pflanze innerhalb weniger Tage zerstören.
Erreger & Übertragung
- Verursacher: Phytophthora infestans, ein Oomycet (Eipilz), kein "echter" Pilz
- Befällt vor allem Nachtschattengewächse: Tomaten, Kartoffeln, aber auch Physalis und Paprika
- Ausbreitung meist von befallenen Kartoffelbeständen auf Tomaten
- Sporen verbreiten sich über Wind, Spritzwasser und Regen
- Der Pilz überdauert auf befallenem Pflanzenmaterial im Boden – daher nicht kompostieren
Begünstigende Bedingungen
- Feucht-warmes bis kühl-feuchtes Klima, lange Regenperioden
- Hohe Luftfeuchtigkeit, Taubildung, stehende Nässe auf den Blättern
- Schlechte Luftzirkulation / zu enger Pflanzabstand
- Nähe zu Kartoffelbeständen
Symptome
- Blätter: zunächst unregelmäßige, oliv-braune Flecken, auf der Unterseite weißlich-grauer Sporenbelag; im fortgeschrittenen Stadium schwärzen die Blätter und sterben ab
- Stängel: scharf begrenzte, braun-schwarze Flecken, können ganze Triebe absterben lassen
- Früchte: bräunlich-marmorierte, harte Flecken, oft erst kurz vor oder nach der Ernte sichtbar
- Bei starkem Befall kollabiert die gesamte Pflanze innerhalb weniger Tage
Vorbeugung
- Resistente/tolerante Sorten wählen (absolute Resistenz gibt es nicht, aber deutliche Unterschiede in der Anfälligkeit, z. B. 'De Berao')
- Tomaten nicht in Nachbarschaft zu Kartoffeln anbauen
- Regenschutz: Überdachung / Folientunnel, damit Blätter trocken bleiben
- Ausreichend Pflanzabstand für gute Luftzirkulation
- Nur morgens und direkt am Boden gießen, nie über Blätter/Blüten
- Fruchtfolge einhalten, Werkzeuge sauber halten
- Vorbeugende Spritzung mit Magermilch-Wasser-Mischung (ca. 1:10) alle 1–2 Wochen, besonders bei feuchter Witterung
Bekämpfung bei Befall
- Befallene Blätter/Triebe sofort und großzügig entfernen
- Pflanzenreste über den Hausmüll entsorgen, nicht auf den Kompost
- Mehrfache Behandlung mit Hausmitteln (z. B. Magermilch- oder Kräuterpräparate) im Abstand von 5–7 Tagen, Pflanze großzügig einsprühen inkl. Blattunterseiten
- Bei starkem Befall: stark betroffene Pflanzen komplett entfernen, um Ausbreitung zu stoppen
- Ist die Fäule weit fortgeschritten, hilft meist nur noch Schadensbegrenzung – befallene Früchte sind nicht mehr genießbar
Quellen
- Plantura: Kraut- & Braunfäule bei Tomaten bekämpfen
- Pflanzen-Kölle Ratgeber: Kraut- & Braunfäule bei Tomaten
- MOOWY: Phytophthora – Braunfäule erkennen und bekämpfen
- Gartendialog.de: Kraut- und Braunfäule, Phytophthora infestans an Tomaten und Kartoffeln bekämpfen
- floravera.de: Tomatenfäule – Was tun?
Hinweise / Notizen
Kräuselkrankheit (Pfirsich)
Kräuselkrankheit an Pfirsich (auch Nektarine, Aprikose, Mandel), verursacht durch den Pilz Taphrina deformans. Die wirtschaftlich bedeutendste Pilzkrankheit des Pfirsichs – wichtig: das Zeitfenster für die Bekämpfung liegt im Spätwinter, vor dem Austrieb. Im Sommer ist eine Behandlung wirkungslos.
Erreger & Übertragung
- Verursacher: Taphrina deformans (Schlauchpilz)
- Wirte: Pfirsich, Nektarine, Aprikose, Mandel
- Überwintert an Knospenschuppen und in Rindenspalten der Zweige
- Bei Erwärmung im Frühjahr zerfällt das Pilzgeflecht in Sprosszellen, die durch Regen/Wind in die schwellenden Knospen gespült werden
- Optimale Infektionsbedingungen: feucht, 10–16 °C – sobald die Temperatur dauerhaft über 16 °C liegt, sinkt das Neuinfektionsrisiko
- Besonders kritische Phase: Knospenschwellen kurz vor der Blüte
Symptome
- Erste sichtbare Anzeichen meist im April, kurz nach dem Austrieb
- Blätter kräuseln sich, werden dick/blasig aufgetrieben
- Verfärbung von weißlich-grün bis kräftig rötlich/karminrot
- Befallene Blätter fallen vorzeitig ab
- Bei starkem/mehrjährigem Befall: geschwächter Baum, kaum Blütenknospen, deutlich reduzierter Ertrag, im Extremfall Absterben des Baums
Vorbeugung
- Winterspritzung ist die wirksamste Maßnahme: bereits Ende Januar/Anfang Februar beginnen (vor dem Knospenschwellen), 3× im Abstand von 7–10 Tagen wiederholen – danach ist es zu spät
- Standortwahl: sonniger, luftiger, trockener Platz; Krone regelmäßig auslichten, damit sie nach Regen schnell abtrocknet
- Weniger anfällige Sorten pflanzen, z. B. 'Amsden', 'Roter Ellerstädter', 'Früher Alexander', 'Rekord von Alfter', 'Weinbergspfirsich', 'Fidelia', 'Benedicte', 'Manon' (echte Resistenz gibt es beim Pfirsich nicht, 'Revita' hat trotz Ankündigung keine bestätigte Resistenz gezeigt)
- Unterpflanzung mit Kapuzinerkresse, Meerrettich oder Knoblauch wird eine gewisse vorbeugende Wirkung nachgesagt
- Pflanzenstärkungsmittel (z. B. Schachtelhalmtee-Spritzungen) unterstützend einsetzen
- Baum durch ausgewogene Düngung und ausreichend Wasser generell widerstandsfähig halten
Spritzmittel im Überblick
Biologisch / Hausmittel (unbedenklich, Wirkung nicht wissenschaftlich belegt)
- Schachtelhalmtee bzw. -jauche als Pflanzenstärkung
- Neemöl-Spritzung: 1 EL Neemöl + 1 TL Spülmittel + 3 l Wasser; früh morgens oder abends anwenden, damit die Blätter nicht verbrennen
- Knoblauch- oder Brennnesseljauche
Kupferpräparate
- Kupferhaltige Fungizide gelten fachlich als wirksam gegen Taphrina deformans, sind für den privaten Hausgarten in Deutschland aktuell jedoch nicht zugelassen – das gilt auch für Kupferpräparate aus dem Bioanbau
- Erfahrungsberichte zur Wirksamkeit sind zudem gemischt (auch bei mehrfacher Anwendung teils kein Erfolg)
Zugelassenes Fungizid
- Duaxo Universal Pilz-frei (Wirkstoff: Difenoconazol) ist seit 2009 als Breitbandfungizid für den Hausgarten zugelassen und wirkt gezielt gegen die Kräuselkrankheit
- Wirkt zusätzlich vorbeugend gegen Echten Mehltau, Schorf, Rostpilze, Sternrußtau und Birnengitterrost
- Anwendung wie bei der Winterspritzung: beim Knospenschwellen, vor dem Austrieb; Zulassungsstatus und genaue Anwendungshinweise vor dem Kauf auf dem aktuellen Etikett bzw. beim Hersteller prüfen, da sich Zulassungen ändern können
Bekämpfung bei Befall
- Befallene Blätter, Triebe und Früchte konsequent entfernen und außerhalb des Gartens entsorgen (nicht kompostieren)
- Eine Behandlung während des Sommers hat keinen Effekt mehr, da der Pilz sich nicht über mehrere Generationen in der Saison weiterverbreitet
- Befallene Bäume erholen sich meist bis zum nächsten Jahr, setzen aber oft deutlich weniger Blüten/Früchte an
- Wichtigste Konsequenz aus einem Befalljahr: im folgenden Winter rechtzeitig und konsequent vorbeugend spritzen
Quellen
- AGES: Kräuselkrankheit des Pfirsichs – Informationen über Schaderreger
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG): Infoschrift Die Kräuselkrankheit am Pfirsich
- Lubera Gartenbuch: Was kann man gegen die Kräuselkrankheit tun?
- BZL (landwirtschaft.de): Was tun gegen die Kräuselkrankheit am Pfirsich?
- Compo Ratgeber: Kräuselkrankheit
- gartenpflege-kalender.de: Pfirsich Kräuselkrankheit Spritzmittel bzw. Bekämpfung
- deavita.com: Kräuselkrankheit – 6 Hausmittel, die wirklich helfen
- gartenjournal.net: Pfirsichbaum – Spritzmittel gegen Kräuselkrankheit
- Plantura: Kräuselkrankheit am Pfirsich erkennen & bekämpfen